Eine Kurze Geschichte der Wandmalerei

Eine Kurze Geschichte der Wandmalerei

In vielen Ländern dieser Erde finden sich gut erhaltene Wandmalereien aus der Frühzeit unserer Kulturgeschichte. So entdeckten 1994 Jean-Marie Chauvet, Eliette Brunel und Christian Hillaire in der Nähe der französischen Kleinstadt Vallon-Pont-D‘Arc im Departement Ardèche einen Höhlenkomplex, der seit dem unter dem Namen Chauvet-Höhle bekannt ist. Die Höhle wurde vor mehr als 30.000 Jahren über einen langen Zeitraum als Kult- und Opferstätte genutzt. Dabei dienten die Felsen mit ihrem Relief den Künstlern als Leinwand. Auf den Wänden der Höhlen finden sich über 400 Zeichnungen, die in kongenialer Weise die Oberflächen des Felsens zur Steigerung der Plastizität der Darstellungen nutzen. Auch wenn die Höhle zum Schutz der Wandmalereien heute nur einem kleinen Kreis an Forschern zugänglich ist, betrachten wir diese Hallen als Geburtsort eines der ältesten Metiers der Menschheitsgeschichte.

Auch die Ägypter verstanden Technik der Malerei auf geputzten Wandflächen auf das Vortrefflichste. Ziel der Darstellungen war es weniger, Illusionen vorzutäuschen, als vielmehr bildend zu wirken, auch für diejenigen, die des Lesens unkundig waren. Oft stehen die überkommenen Bildwerke im Zusammenhang mit religiösen Handlungen, eine Vielzahl von Bildern finden sich in Kultstätten und Grablegen. Die ägyptische Kunst kommt ohne plastische bzw. räumliche Darstellungen aus, erst im antiken Griechenland wurde die illusionistische Wandmalerei perfektioniert. Leider sind heute nur wenige Zeugnisse dieser farbenfrohen Kunst erhalten. Die Kunstgeschichte überliefert allerdings eine Erzählung von Plinius dem Älteren, die vom Wettstreit zwischen den Künstlern Zeuxis und Parrhasios um 400 v.Chr. berichtet. Zeuxis malte ein Wandbild mit Trauben so täuschend echt, dass sie Spatzen anlockten und diese von ihnen naschen wollten. Parrhasios, der das vergebliche Streben der Spatzen beobachtet hatte, malte daraufhin ein Wandbild, dem er einen gemalten Vorhang vorsetzte. Zeuxis, zu Besuch im Atelier von Parrhasios, verlangte man möge den das Tuch vor dem Bild entfernen, damit er das Kunstwerk begutachten könne. So täuschte die Kunst des einen die Vögel, der andere verwirrte jedoch das geschulte Auge des Fachmanns.

Nie wieder erlangte die malerische Wandfassung im Wohnungsbau und der Stadtgestaltung eine Bedeutung, wie sie aus den überkommenen Fragmenten des Römischen Reiches abzulesen ist, die bis in die entferntesten Provinzen des Reiches ausstrahlte. Die Blütezeit der römischen Wandmalerei verbindet sich mit der Stadt Pompeji, die durch den Ausbruch des Vesuvs 79 n. Chr. unterging und erst Ende des 16. Jahrhunderts durch Domenico di Trana wiederentdeckt wurde. Gezielte Ausgrabungen folgten um die Mitte des 18. Jahrhunderts, sie wurden jedoch erst im 19. Jahrhundert unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten mit Systematik fortgesetzt. Bis heute ist die Erforschung dieser über 2.000 Jahre alten Kunst nicht abgeschlossen.

Mit dem Ende des römischen Reiches gingen viele der Kenntnisse und handwerkliche Fähigkeiten dieser Hochkultur verloren, so auch die mit der Kunst der Wandmalerei verbundene Kenntnis von der Konstruktion und Darstellung der Perspektive. Zwar findet sich in der Romanik verstärkt die künstlerische Ausstattung von Innenräumen durch Wandmalerei, jedoch erreicht diese in ihrer Ausdruckskraft nicht die Kunstfertigkeit pompejanischer Wandgestaltung. Erst die Renaissance brachte die Trompe-l´Œil-Malerei, die sich der Täuschung der Wahrnehmung widmet, wieder zur Blüte. Werke wie das Abendmal Leonardo Da Vincis und die Sixtinische Kapelle von Michelangelo entstanden. Ab diesem Zeitpunkt war das Spiel mit der Perspektive nicht mehr ausschließlich der wandgebundenen Malerei vorbehalten. Schon Künstler wie Jacopo dei Barbari beherrschten sie vollendet und begründeten die Tradition des Trompe-l´Œils in der Tafelkunst, die u.a. durch Edward Collier und Johann Heinrich Füssli fortgesetzt wurden.

Die letzte Hochphase der architektonischen Illusionsmalerei erlebte der Barock, wo die Täuschung zur Perfektion geführt wurde. In ihr veränderte sich der Betrachter zum Bestandteil der Architektur, vor dessen Auge sich nicht existierende Realitäten ausbreiteten. Oft zwangen baulich beengte Situationen in den Innenstädten, begrenzte finanzielle Mittel oder auch technisches Unvermögen, das erst später durch technischen Fortschritt überwunden werden konnte, die Künstler bzw. Architekten zum Rückgriff auf die gemalte Illusion. Oberflächen wurden täuschend echt imitiert, Raumsituationen entwickelt, Kuppeln in die Höhe getrieben. In dem Glanz der in dieser Zeit geschaffenen Kunst entwickelte sich eine neue, moderne Gesellschaft.

Mit dem Klassizismus verlor die gemalte Wand und die damit verbundene Illusion vorgetäuschter Welten an Bedeutung. Die neue Sachlichkeit der modernen Architektur vertrieb für lange Zeit die Farbe aus dem Bauwesen in Europa. Erst zum Ende des 20. Jahrhunderts kehrte sie wieder Stück für Stück auf die Straßen unserer Städte zurück. So gestalten wir von CreativeStadt unseren Lebensraum farbenfroh und berichten von einer Zukunft im Lichte der Vergangenheit, träumen ungeahnte Träume von der Schönheit einer Welt in menschlicher Dimension.